A funny pilgrim on a crazy crusade

 

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Wintereinbruch (ein Nachtrag)

Als Mittwochs der erste Schnee viel stieg in mir Wut auf. Ich wollte keine Kälte, keine weiße Decke über dieser Stadt, über dem Anblick der vor meinen Augen lag. Ich wollte einen milden Winter. Ein Winter in dem bei Temperaturen knapp über Null die Menschen durch den Matsch waten müssen. Wo Nieselregen so missmutig nieder fiel wie es die Gesichter dieser Stadtmenschen immer sind. Ich wollte Sturzbäche auf die Weihnachtsstände stürzen und verzweifelte Touristen chancenlos nach einem romantischen Schnapschuss suchen sehen. Der Fluss sollte Tag für Tag anschwellen und sich stinkend braun färben von dem weg gespülten Schlamm und den Fäkalien der Abflüsse, die nicht mehr zu entleeren waren. Die ganze braune Kacke sollte sich zwischen den beiden Felsen stauen. Umgewälzt und ans Tageslicht geschwemmt werden. Diese Stadt hat es schon lange verdient und vor meinem geistigen Auge sah ich die Dreckfontänen neben der Staatsbrücke in die Höhe schießen und sich in die angrenzenden Gassen ergießen. So braun wie die Menschen dieser Stadt immer schon waren, so braun sollte endlich mal ihr Äußeres sein, damit sie bei der Morgentoilette zumindest einmal die Wahrheit sehen müssen.
Ich wollte diesen Winter nicht über schweigende Felder gehen und Zucker bedeckte Berge am Horizont glitzern sehen. Dieses Mal wollte ich durch sterbende Wiesen stapfen, die sich verzweifelt an den Stiefeln fest saugen um vielleicht noch in ein gelobtes Land getragen zu werden. Ich wollte den Geruch der Verwesung in der Nase haben und das verrottende Grün zur Wintermodefarbe erklären. Ich wollte vor allem nicht frieren, sondern gewärmt von den Verfaulungsgasen warten, bis sie die Frühlingssonne zündet und alles in den Himmel bläst. Eine Explosion zum Neu anfangen, zum abfackeln des Gewesenem und Tabula rasieren. Eine Initialzündung. Darauf sollte dieser Winter hinarbeiten.
Jetzt stehe ich auf meinem Balkon. Längst hat die Kälte gewonnen. Mein Blick friert fest auf den weißen Gipfeln und dem endlosen ruhig zu gedecktem Feld. Meinen Atem, oder auch meinen Zigarettenrauch, es ist einerlei, trägt der Wind in kleinen Eiskristallen davon. Von Innen kommt die Stille die ihren Widerhall in ihrer Umgebung findet und macht mich wehrlos. Letztlich mag ich ihn doch, den Winter.
11.2.10 21:55
 


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