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Ein paar Sätze wollte ich noch schreiben. Die letzten Tage, die voll von Gesprächen, von Endstücken, Anfängen und Erinnerungslücken waren, müssen ein wenig warten, sich frisch halten, bis ich mich ihnen zuwenden kann. Zuviel für das Ende dieses langen Tages. Zuviel um ein Ich darin zu finden und ein mir Gehörendes. Wie dieser Nebel, der sich kalt vor mein Fenster wirft, der verschleiert und undurchsichtig macht, lasse ich mich selbst zurück. Lege mich schlafen. Lasse mich und es ruhen. Bis der Nebel sich wieder legt, der gar kein schlechter ist, weil in ihm eine Erinnerung an einen warmen Tag ist. In jedem feinen Tropfen, der in der Nacht hängen bleibt.
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Meine Finger streifen über das schwarzweiße Bild, so als könnte ich irgendetwas wirklich spüren, etwas anderes als diese glatte Glanzfläche. Wenigstens ist die Musik in meinen Ohren, auch wenn die Gerüche, der Geschmack, die Hitze, das Gefühl fehlen. Ich wäre gern Patti Smith. Ich weiß das es Blödsinn ist und so wünsche ich mir nur ihre schwarze Krawatte, zu sein. Einfach nur um dabei, um da gewesen zu sein. In einer Zeit die noch auf- und nicht zusammen brach. Aufbrechen werde ich morgen auch. Nach Hause und meine schwarze Krawatte wird mich begleiten. Eigentlich sind es drei Geburtstage, aber da ist der Todesfall, schon ein Jahr her, doch er überschattet noch alles. Zerreißt diese Familie, weil die Hilflosigkeit vor einem zu frühen Tod größer ist, als die Notwendigkeit sich um die Überlebenden zu kümmern. Ich? Ich muss es nehmen wie es kommt. Es ist so zu sagen mein Urlaub, meine freie Woche, gelöst von Verpflichtungen. Ich werde nicht nur der Toten gedenken, sondern seltene Menschen, in meinem Leben seltene, obwohl sie Familie heißen, treffen. Hände schütteln, ihre Geschichten hören und in ihre Augen blicken. Es sind einige Menschen in meinem Leben selten geworden oder besser ich in ihren. Weil mir die Kraft fehlte, weil mir die ausgestreckte Hand in der Hosentasche stecken blieb. Ihre Texte wieder zu lesen, die Alten, die aus dem Netz fein säuberlich auf Papier gelegten, lässt mich erkennen. Ich habe sie vermisst. Dieses gegenseitige Lesen, Wiederlesen und so, über Tage, in verschlungenen Worten, in Metaphern und Anspielungen, ein Gespräch zu führen, in dem Verständnis liegt. Ich beginne mich ein weiteres Mal in Leerzeichen, Zeilenumbrüchen und Auslassungen zu verlieren. Dabei finde ich es langsam wieder, diesen Ton. Der gar nicht verloren war, nur so schien, weil ein zufriedener Blick auf meine vollgeschriebenen Notizbücher beweist es, nur anders eingesetzt wurde. Doch sollte das Eine das Andere nicht ausschließen. Viel ist nicht passiert, in diesem letzten halben Jahr. In meinem kleinen Existieren. Kaum eine Veränderung, eine Verbesserung. Es ist ein weiter Verharren in dem jedoch immer öfter ein leises Gefühl zu erspüren ist. Wenn ich mich traue und genau hinhöre. Von einem Umbruch, einem Aufbruch zu sprechen verbietet mir die Vorsicht. Zu nahe liegt der Zusammenbruch. Schwierige Zeiten sind interessante Zeiten für das Leben. das weiß ich. Als schwarze Krawatte von Patti Smith.
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Wintereinbruch (ein Nachtrag)
Als Mittwochs der erste Schnee viel stieg in mir Wut auf. Ich wollte keine Kälte, keine weiße Decke über dieser Stadt, über dem Anblick der vor meinen Augen lag. Ich wollte einen milden Winter. Ein Winter in dem bei Temperaturen knapp über Null die Menschen durch den Matsch waten müssen. Wo Nieselregen so missmutig nieder fiel wie es die Gesichter dieser Stadtmenschen immer sind. Ich wollte Sturzbäche auf die Weihnachtsstände stürzen und verzweifelte Touristen chancenlos nach einem romantischen Schnapschuss suchen sehen. Der Fluss sollte Tag für Tag anschwellen und sich stinkend braun färben von dem weg gespülten Schlamm und den Fäkalien der Abflüsse, die nicht mehr zu entleeren waren. Die ganze braune Kacke sollte sich zwischen den beiden Felsen stauen. Umgewälzt und ans Tageslicht geschwemmt werden. Diese Stadt hat es schon lange verdient und vor meinem geistigen Auge sah ich die Dreckfontänen neben der Staatsbrücke in die Höhe schießen und sich in die angrenzenden Gassen ergießen. So braun wie die Menschen dieser Stadt immer schon waren, so braun sollte endlich mal ihr Äußeres sein, damit sie bei der Morgentoilette zumindest einmal die Wahrheit sehen müssen. Ich wollte diesen Winter nicht über schweigende Felder gehen und Zucker bedeckte Berge am Horizont glitzern sehen. Dieses Mal wollte ich durch sterbende Wiesen stapfen, die sich verzweifelt an den Stiefeln fest saugen um vielleicht noch in ein gelobtes Land getragen zu werden. Ich wollte den Geruch der Verwesung in der Nase haben und das verrottende Grün zur Wintermodefarbe erklären. Ich wollte vor allem nicht frieren, sondern gewärmt von den Verfaulungsgasen warten, bis sie die Frühlingssonne zündet und alles in den Himmel bläst. Eine Explosion zum Neu anfangen, zum abfackeln des Gewesenem und Tabula rasieren. Eine Initialzündung. Darauf sollte dieser Winter hinarbeiten. Jetzt stehe ich auf meinem Balkon. Längst hat die Kälte gewonnen. Mein Blick friert fest auf den weißen Gipfeln und dem endlosen ruhig zu gedecktem Feld. Meinen Atem, oder auch meinen Zigarettenrauch, es ist einerlei, trägt der Wind in kleinen Eiskristallen davon. Von Innen kommt die Stille die ihren Widerhall in ihrer Umgebung findet und macht mich wehrlos. Letztlich mag ich ihn doch, den Winter.
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Aus der modernen Kommunikation gegriffen oder SMS sind zu kurz
Madame Klein, wobei dies nur namentlich gemeint ist, dürfte ich um ihre elektronische Adresse bitten? Ich hätte Worte zu lesen. Nur für Sie. Also verraten Sie nichts Herrn David, schließlich möchte ich noch groß, gar ein Goliath werden. Wenn Er es aber wüsste träfe mich ein Schlag und wie ein Stein würde ich zu Boden geschleudert werden. Um Ihr Lese- und mein Lebensvergnügen bitte ich Sie. Meine Ehrerbietung Verehrteste, P. aber eine meine SMS lautete: Hallo K. Text ist fertig, brauch no dei Mail-Ad. Grüsse an D. sehn uns F.
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Ich kehre zurück. Immer wieder. In Zyklen. Ob sie nun spiralförmig zusammen laufen oder sich der Zentripedalkraft folgend entfernen weiß ich nicht. Nur die Messpunkte sind unrythmisch. Von Neuanfängen zu sprechen ist falsch. Das nächste Schweigen ist schon vorprogrammiert und das Brechen des Selbigen wird ebenso folgen. Somit sind es weitere Punkte auf dieser Linie. Meine Finger sind das Tippen nicht mehr gewohnt, verirren sich zwischen den Tasten. Es ist leichter dem blauen oder schwarzen Strich auf einem Blatt Papier die Form zu geben und ihm zu Folgen. Mein Blick ist dann wenigstens dort, wo meine Gedanken einen Ausdruck finden. Hier, vor dem Rechner, muß ich immer den Blick zwischen Tastatur und Bildschirm wandern lassen. Stimmen Gedanken und Geschriebenes überein? Habe ich das gerade getippt? Entfremdung? Euch entgeht gerade die lange Pause in der ich den Regentropfen lauschte und den entfernten Autos. In der ich den warmen Fönwind einatmete, die Augen schloss und das schreiben ließ. Nur für einen Moment. Bis zum Anfang. Bis zum nächsten Punkt.
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